Gemüse und Strom von derselben Fläche ernten? Warum nicht. Möglich macht das die sogenannte Agri-Photovoltaik. Doch wie funktioniert das genau? Welche Vorteile bietet diese Technologie und wie sieht die Lage in der Schweiz aus?
Was ist Agri-Photovoltaik?
Agri-Photovoltaik, auch als Agri-PV bezeichnet, nennt man die Technologie, wenn Photovoltaikanlagen so installiert werden, dass gleichzeitig auch die landwirtschaftliche Fläche genutzt werden kann. Das heisst, dass im Gegensatz zu klassischen Freiflächenanlagen der Boden zweifach genutzt werden kann.
Je nach Einsatzgebiet können unterschiedliche Systeme zum Einsatz kommen. Das Ziel ist dabei, erneuerbare Energie zu erzeugen, ohne Landwirtschaftsflächen bei der Produktion zu hindern.
Welche Vorteile bietet Agri-Photovoltaik?
Agri-Photovoltaik bietet diverse Vorteile. Folgende gehören dazu:
- Doppelte Nutzung der gleichen Fläche
Der grösste Vorteil liegt in der gleichzeitigen Erzeugung von Lebensmitteln und Solarstrom. Dadurch wird der Boden sehr effizient genutzt. - Zusätzliche Einnahmen
Der erzeugte Solarstrom kann im eigenen Betrieb genutzt oder ins Stromnetz eingespeist werden. Dadurch entstehen zusätzliche Einnahmequellen und die Energiekosten können langfristig gesenkt werden. - Schutz der Kulturen
Je nach Ausführung können die Solarmodule empfindliche Pflanzen vor intensiver Sonneneinstrahlung, Hagel oder starkem Regen schützen. Besonders in heissen Sommern kann dies den Wasserbedarf reduzieren und Ernteausfälle verhindern.
Weitere mögliche Vorteile zeigt ein Forschungsprojekt in Baden-Württemberg des Frauenhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). So konnten PV-Module aufgrund von Kühleffekten von Pflanzen mehr Strom produzieren und die Pflanzen brauchten insgesamt weniger Wasser. Ein weiterer Effekt war, dass weniger Pflanzenschutzmittel benötigt wurde. Zwar werden solche Synergieeffekte noch weiter abgeklärt, doch die Resultate sind bereits jetzt vielversprechend.
Für welche Kulturen bzw. Landwirtschaftsflächen eignet sich Agri-PV?
Nicht jede Landwirtschaftsfläche eignet sich für Agri-Photovoltaik. Von einer teilweisen Beschattung profitieren etwa Beerenkulturen, Obstplantagen oder Gemüsefelder. Bei schattenempfindlichen Kulturen muss die Anlage sorgfältig geplant werden, damit ausreichend Sonnenlicht auf die Pflanzen trifft.
Welche Herausforderungen gibt es?
Agri-Photovoltaik stellt höhere Anforderungen an Planung und Konstruktion als herkömmliche Photovoltaikanlagen. Dabei muss man beispielsweise auch an die Verschattung on Kulturen denken oder auf eine ausreichende Durchfahrtshöhe für landwirtschaftliche Maschinen achten.
Agri-Photovoltaik in der Schweiz
Da der Ausbau an Photovoltaik in der Schweiz nicht schnell genug vorankommt, um die Ziele des Energiegesetzes zu erreichen, gewinnt Agri-Photovoltaik auch in der Schweiz zunehmend an Bedeutung. Die Doppelnutzung des Bodens wird damit immer bedeutender. Allerdings wird die Technologie trotz zahlreicher Vorteile zu wenig genutzt. Grund dafür sind noch bestehende Unsicherheiten bezüglich Finanzierung und Bewilligungen. Solche Fragen lassen sich allerdings in einer Machbarkeitsstudie klären.
Lohnt sich Agri-Photovoltaik finanziell?
Ob sich Agri-Photovoltaik wirtschaftlich lohnt, hängt wie auch bei klassischen Anlagen von verschiedenen Faktoren ab. So kommt es in allererster Linie auf die Art der wirtschaftlichen Nutzung an. Aber auch die benötigte Grösse der Anlage und die Investitionskosten spielen eine Rolle.
Besonders Betriebe mit einem hohen Stromverbrauch, die auch landwirtschaftlich tätig sind, können langfristig von Agri-Photovoltaik profitieren.
Gibt es Fördergelder für Agri-Photovoltaik?
Agri-Photovoltaikanlagen werden gleich behandelt wie klassische Photovoltaikanlagen. So gibt es auch für diese Einmalvergütungen oder Einspeisevergütungen. Wichtig ist die Abklärung von Bewilligungen, um möglichst keine ungeplanten Kosten zu haben. Wer sich vertiefter über die Gesetze bezüglich Agri-Photovoltaik informieren will, kann dies beispielsweise beim Schweizer Bauernverband tun.
Fazit
Agri-Photovoltaik verbindet Landwirtschaft und erneuerbare Energie auf intelligente Weise. Sie ermöglicht eine doppelte Nutzung wertvoller Flächen und verbessert die Energieversorgung landwirtschaftlicher Betriebe. Gleichzeitig können Pflanzen vor Wetterbedingungen geschützt werden.
Mit einer sorgfältigen Planung lässt sich eine Lösung entwickeln, die sowohl den Anforderungen der Landwirtschaft als auch einer wirtschaftlichen Stromproduktion gerecht wird. Damit ist Agri-Photovoltaik ein vielversprechender Baustein für eine nachhaltige Landwirtschaft und die Energiewende.
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