E-Autos sind nicht nur Stromverbraucher, sondern aktive Teilnehmer am Energiemarkt. Ausschlaggebend ist dabei das bidirektionale Laden – die Fähigkeit, Strom nicht nur zu beziehen, sondern auch zurück ins Netz oder ins Gebäude einzuspeisen.
Was ist bidirektionales Laden?
Bidirektionales Laden bezeichnet die Technologie, bei der ein E-Auto nicht nur Energie aus einem Stromnetz oder einer Ladestation aufnimmt, sondern diese auch wieder abgibt. Der Strom kann also in zwei Richtungen fliessen. Das Fahrzeug wird damit zu einem mobilen Stromspeicher, der flexibel auf die Bedürfnisse des Stromnetzes oder des eigenen Haushalts reagieren kann.
Ist bidirektionales Laden in der Schweiz erlaubt?
In der Schweiz ist das bidirektionale Laden bereits seit dem Jahr 2022 erlaubt. Mit dem Anfangs 2026 in Kraft getretenen Stromgesetz wird die Nutzung von E-Autos, um das Netz zu stabilisieren, sogar noch einfacher. Es erlaubt die Rückerstattung von Netznutzungsentgelten für Strom aus Fahrzeugbatterien. Bis anhin mussten Betreiber von Speichern diese Gebühren selbst dann bezahlen, wenn sie Strom nur temporär speicherten und anschliessend wieder ins Netz uirückführten.
Welche Autos sind für bidirektionale Laden geeignet?
Es gibt bereits mehrere E-Fahrzeug-Modelle, welche bidirektional laden können. Dazu gehören etwa Modelle von VW, Skoda, Renault, Hyundai, Kia, Volvo, Polestar, Nissan oder neuere Modelle von Mercedes oder BMW. Die Anzahl dürfte in der Zukunft weiter ansteigen.
Das sind die Einsatzformen des bidirektionalen Ladens
Es existieren vier Hauptformen des bidirektionalen Ladens, die sich in ihrer Anwendung und ihrem Nutzen unterscheiden:
Vehicle-to-Grid (V2G) bezeichnet die Einspeisung von Strom aus dem Elektrofahrzeug zurück ins öffentliche Stromnetz. Dies ermöglicht es Netzbetreibern, Schwankungen auszugleichen und Lastspitzen abzufedern. Fahrzeugbesitzer können durch die Bereitstellung ihrer Batteriekapazität Vergütungen erzielen.
Vehicle-to-Home (V2H) nutzt die im Fahrzeug gespeicherte Energie zur Versorgung des eigenen Haushalts. Besonders interessant ist dies in Kombination mit Photovoltaikanlagen: Tagsüber produzierter Solarstrom wird im Auto gespeichert und abends zur Deckung des Eigenverbrauchs genutzt. Dies erhöht die Autarkiequote.
Vehicle-to-Load (V2L) erlaubt die Versorgung externer Geräte und Verbraucher direkt über das Fahrzeug. Ob Campingsausrüstung, Werkzeuge auf der Baustelle oder Notversorgung bei Stromausfällen – das E-Auto fungiert als mobile Steckdose mit grosser Kapazität.
Vehicle-to-Building (V2B) sorgt dafür, dass der gespeicherte Strom zur Energieversorgung des Gebäudes genutzt werden kann. Es handelt sich um einen Sonderfall des bidirektionalen Ladens.
Vorteile des bidirektionalen Ladens
Das bidirektionale Laden hat diverse Vorteile. Um folgende handelt es sich:
Netzstabilisierung: Mit zunehmendem Anteil erneuerbarer Energien steigt der Bedarf an Flexibilität im Stromnetz. Millionen von E-Auto-Batterien könnten als dezentrale Speicher fungieren und Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch ausgleichen.
Wirtschaftliche Vorteile: Fahrzeughalter können durch intelligentes Laden und Entladen wirtschaftliche Vorteile erzielen. Bei niedrigen Strompreisen oder hoher Solar-Einspeisung wird geladen, bei hohen Preisen oder Netzengpässen wird Strom verkauft. Zudem können teure Lastspitzen im Haushalt durch gespeicherte Energie vermieden werden.
Steigerung der Eigenverbrauchsquote: Haushalte mit Photovoltaikanlage können durch bidirektionales Laden ihre Eigenverbrauchsquote steigern. Das reduziert die Abhängigkeit vom Stromversorger und verbessert die Wirtschaftlichkeit der Solaranlage.
Notstromversorgung: Im Falle eines Stromausfalls kann das Elektrofahrzeug als Notstromaggregat dienen. Je nach Batteriegrösse lässt sich ein durchschnittlicher Haushalt damit versorgen.
Welche Nachteile hat bidirektionales Laden?
Batterieverschleiss: Eine häufig geäusserte Sorge betrifft die zusätzliche Belastung bei Fahrzeugbatterien.
Technische Voraussetzungen: Bidirektionales Laden erfordert spezielle Ladestationen (Wallboxen) und kompatible Fahrzeuge.
Regulatorische Rahmenbedingungen: In vielen Ländern fehlen noch klare rechtliche und regulatorische Vorgaben für bidirektionales Laden.
Standardisierung: Die mangelnde Kompatibilität zwischen Fahrzeugen, Ladepunkten und Energieversorgern bremst die Expansion der Ladeinfrastruktur. Unterschiedliche Standards verhindert bisher ein reibungsloses Zusammenspiel der Systeme.
Fazit bidirektionales Laden
Bidirektionales Laden verwandelt Elektrofahrzeuge von reinen Stromverbrauchern zu flexiblen Energie speichern und aktiven Teilnehmern am Energiemarkt. Die Technologie bietet erhebliche Vorteile für Netzstabilität, Eigenverbrauchsoptimierung und wirtschaftliche Effizienz. Trotz bestehender Herausforderungen bei Standardisierung, Regulierung und Infrastruktur deutet die Entwicklung darauf hin, dass bidirektionales Laden eine zentrale Rolle in einem zunehmend dezentralen und erneuerbaren Energiesystem spielen könnte. Für Verbraucher, Netzbetreiber und die Gesellschaft insgesamt eröffnen sich damit neue Möglichkeiten auf dem Weg zur Klimaneutralität.
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