Nicht immer eignet sich eine Solaranlage auf dem Dach. Die Gründe dafür können vielfältig sein: ungeeignete Statik, Denkmalschutz oder schlicht fehlende Dachfläche. Eine innovative Lösung bietet die Solarfassade. Sie kann dem Gebäude ein modernes, ansprechendes Aussehen verleihen und gleichzeitig effizient Solarstrom produzieren. In diesem Artikel zeigen wir, was Solarfassaden auszeichnet, welche Arten es gibt und für wen sie sich in der Schweiz besonders lohnen.
Was sind PV-Fassaden?
Bei einer Solarfassade, auch PV-Fassade genannt, handelt es sich um eine Solaranlage, die vertikal an der Gebäudehülle montiert wird. Anders als bei herkömmlichen Dachanlagen werden die Solarmodule direkt in die Fassade integriert oder vor dieser angebracht. Solarfassaden sind besonders dann eine praktische Lösung, wenn ein Solardach nicht infrage kommt – beispielsweise bei statisch ungeeigneten Dächern, denkmalgeschützten Gebäuden oder Mehrfamilienhäusern mit begrenzter Dachfläche.
Die vertikale Ausrichtung bringt einen interessanten Nebeneffekt mit sich: Während Dachanlagen vor allem zur Mittagszeit am produktivsten sind, erzeugen Fassadenanlagen besonders in den Morgen- und Abendstunden sowie im Winter bei tiefstehender Sonne nennenswerte Erträge.
Welche Arten von Solarfassaden gibt es?
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Hauptarten von Solarfassaden:
Integrierte Solarfassaden: Bei dieser Bauweise ersetzen die Solarmodule Teile der herkömmlichen Fassadenverkleidung. Die PV-Module übernehmen dabei nicht nur die Funktion der Stromerzeugung, sondern auch bauphysikalische Aufgaben wie Witterungsschutz, Wärmedämmung und Schallschutz. Diese Lösung ist architektonisch besonders ansprechend, da die Module nahtlos in die Gebäudehülle integriert werden. Integrierte Systeme kommen häufig bei Neubauten oder umfassenden Sanierungen zum Einsatz.
Hinterlüftete Fassaden mit Solaranlage: Hierbei werden die Solarmodule vor der bestehenden Fassade montiert, wobei ein Luftspalt zwischen Fassade und Modulen verbleibt. Diese Hinterlüftung sorgt für eine bessere Kühlung der Module, was den Wirkungsgrad erhöht, da Solarmodule bei niedrigeren Temperaturen effizienter arbeiten. Diese Variante eignet sich besonders für die Nachrüstung bestehender Gebäude und ist in der Regel kostengünstiger als vollintegrierte Systeme.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Modultypen: von klassischen kristallinen Modulen über Dünnschichtmodule bis hin zu speziell gestalteten Modulen in verschiedenen Farben, Transparenzgraden und Oberflächenstrukturen, die gezielt optische Akzente setzen können.
Was sind die Vorteile einer Solarfassade?
Die Vorteile einer Solarfassade hängen stark von den individuellen Gegebenheiten ab, bieten aber in vielen Fällen überzeugende Argumente:
Stromproduktion im Winter: Durch die vertikale Ausrichtung profitieren Solarfassaden besonders bei tiefstehender Sonne. In den Wintermonaten, wenn Schnee Dachanlagen bedecken kann, produzieren Fassadenanlagen weiterhin zuverlässig Strom.
Zusätzliche Fläche für Solarenergie: Solarfassaden ermöglichen die Nutzung von Flächen, die sonst ungenutzt blieben. Dies ist besonders bei Mehrfamilienhäusern, Gewerbebauten oder Hochhäusern relevant, wo die Dachfläche oft nicht ausreicht, um den gesamten Strombedarf zu decken.
Architektonische Gestaltung: Moderne Solarmodule für Fassaden sind in verschiedenen Farben, Transparenzstufen und Oberflächenstrukturen erhältlich. Sie können das Gebäude optisch aufwerten und ein modernes, nachhaltiges Image vermitteln. Farbige oder teiltransparente Module eignen sich besonders, um kreative Konzepte umzusetzen.
Keine Statikprobleme: Bei Gebäuden mit unzureichender Dachstatik bieten Fassadenanlagen eine Alternative, da die Last auf die vertikale Gebäudehülle verteilt wird.
Attraktive Förderung: Besonders interessant ist die Förderung durch Pronovo. Nicht nur werden Solarfassaden im Rahmen der Einmalvergütung für Photovoltaikanlagen gefördert. Neu gibt es ab 2026 einen Winterstrombonus für Anlagen, die im Winterhalbjahr einen Ertrag von mehr als 500 kWh pro KW Leistung erzielen. Diese Regelung gilt für Anlagen ab einer Leistung von 100 kW.
Was sind die Nachteile einer Solarfassade?
Bei aller Begeisterung für Solarfassaden sollten auch Herausforderungen nicht unerwähnt bleiben:
Höhere Investitionskosten: Eine Solarfassade erfordert in der Regel spezielle Module und Montagesysteme, die teurer sind als Standardkomponenten für Dachanlagen. Auch die Montagekosten und der Installationsaufwand fallen höher aus als bei herkömmlichen Aufdachanlagen. Insbesondere bei nachträglich angebrachten, hinterlüfteten Systemen können die Kosten deutlich über denen einer vergleichbaren Dachanlage liegen.
Geringerer Ertrag pro Modul: Aufgrund der vertikalen Ausrichtung ist der jährliche Gesamtertrag pro installiertem Quadratmeter in der Regel niedriger als bei optimal ausgerichteten Dachanlagen. Je nach Ausrichtung (Süd, Ost, West) erzielt eine Fassadenanlage etwa 60-80 Prozent des Ertrags einer südorientierten Dachanlage mit idealer Neigung.
Komplexere Planung: Die Integration von Solarmodulen in die Fassade erfordert eine sorgfältige Planung unter Berücksichtigung von Bauphysik, Brandschutz, Statik und architektonischen Anforderungen. Dies kann den Planungsaufwand erhöhen.
Für wen lohnt sich eine Solarfassade?
Solarfassaden sind besonders interessant für Mehrfamilienhäuser, Gewerbebauten, öffentliche Gebäude und Hochhäuser, bei denen die Dachfläche begrenzt ist. Auch bei denkmalgeschützten Gebäuden, wo Dachinstallationen nicht erlaubt sind, oder bei Gebäuden mit ungeeigneter Dachstatik bieten sie eine praktikable Alternative. Mit der zunehmenden Förderung erneuerbarer Energien und dem wachsenden Bewusstsein für nachhaltige Architektur werden Solarfassaden zu einer immer attraktiveren Option für zukunftsorientierte Bauherren.
Fazit: Solarfassade – ja oder nein?
Wer eine Solaranlage will, die das Gebäude optisch aufwertet, ist mit einer Solarfassade gut beraten. Sie bietet eine ästhetische Lösung für all diejenigen, die nicht nur Strom produzieren, sondern auch Wert auf Ästhetik legen.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Solarfassaden
Die Kosten hängen stark von der Art der Fassade ab und können je nach Montageart, den benutzten Modulen und weiteren Faktoren stark variieren. Kontaktieren Sie uns für eine entsprechende Offerte.
Senkrechte Solarmodule können auch einen tiefen Sonnenstand effizient nutzen. Genau das ist auch einer der Hauptunterschiede zwischen einer Dachanlage und einer Solarfassade.
Der Wirkungsgrad einer Solarfassade ist geringer als derjenige einer Dachanlage. Solarfassaden generieren dabei 5 bis 10 Prozent weniger Solarstrom.
Solarfassaden lohnen sich im Winter: Eine gut ausgerichtete Solarfassade kann im Winter sogar mehr Strom produzieren als eine Dachanlage.
Solarfassaden gelten als Solaranlagen und werden dementsprechend gefördert. Je nach Kanton und Gemeinde können die Beiträge variieren. Informieren Sie sich dazu am besten auf energiefranken.ch.
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